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Kaffeevollautomat oder Siebträgermaschine kaufen?

Wer sich eine neue Kaffeemaschine kaufen möchte, wird heute vor eine große Auswahl an verschiedenen Systemen gestellt. Lernen Sie hier die Vor- & Nachteile kennen.

Siebträger (Rocket Espresso Marese Edition) und die Jura e6 (EC)

Kaffeevollautomaten und Siebträger sind bspw. dann vor allem interessant, wenn man auf Kaffeegenuss setzt, der deutlich über dem Niveau einer Filtermaschine liegt. Doch wann kauft man einen Siebträger und wann doch lieber einen Kaffeevollautomat? Wir haben uns mit dieser Frage beschäftigt und beide Systeme nach folgenden Punkten untersucht: Alltagstauglichkeit, Pflegeaufwand, Kaffeegenuss und Kosten.

Alltagstauglichkeit: Punkt für den Kaffeevollautomat

Bei der Alltagstauglichkeit haben wir unseren Fokus auf die Bedienung der beiden Kaffeemaschinen gelegt – insbesondere auf den realistischen Zeitaufwand im Alltag. Während der Kaffee beim Vollautomaten ganz einfach per Knopfdruck gebrüht wird und in der Regel bereits nach etwa 30 bis 60 Sekunden in der Tasse landet, gleicht die Zubereitung am Siebträger eher einer kleinen Zeremonie.

Die Kaffeebohnen werden direkt in der Espressomühle frisch in das Sieb gemahlen. Anschließend wird das Kaffeemehl mit dem Tamper gleichmäßig angedrückt und der Siebträger an der Brühgruppe der Maschine befestigt. Je nach Routine, Anspruch und Getränk dauert dieser Prozess realistisch zwischen drei und sieben Minuten pro Tasse. Gerade im morgendlichen Alltag oder bei mehreren Kaffeetrinkern zeigt sich daher deutlich, dass der Zeit- und Arbeitsaufwand beim Kaffeevollautomaten erheblich geringer ausfällt.

Dies ändert sich auch nur geringfügig, wenn Milchgetränke ins Spiel kommen. Bereits bei Mittelklasse-Kaffeevollautomaten erhält man meist ein automatisches Milchsystem oder einen separaten Dampfkreislauf, mit dem Cappuccino oder Latte Macchiato auf Knopfdruck zubereitet werden können. Beim Siebträger hingegen wird die Milch grundsätzlich per Hand aufgeschäumt. Das erfordert Übung, Aufmerksamkeit und stellt einen zusätzlichen Arbeitsschritt dar – insbesondere dann, wenn regelmäßig Milchgetränke zubereitet werden.

Pflegeaufwand: Die richtige Reinigung der Kaffeemaschinen ist wichtig!

Beim Pflegeaufwand punktet der Siebträger gegenüber dem Kaffeevollautomaten. Während bei der Siebträgermaschine zwar nach jeder Tasse das Kaffeesieb vom Trester befreit werden muss, sind die Reinigungsschritte insgesamt einfacher. Da das Innere der Espressomaschine ausschließlich mit Wasser in Berührung kommt, reicht es meist aus, die Maschine regelmäßig durchzuspülen und gelegentlich zu entkalken. Auch die Brühgruppe sollte regelmäßig von Kaffeeresten und Kaffeeölen befreit werden.

Der Kaffeevollautomat setzt dagegen eine intensivere Pflege voraus. Da die Bohnen direkt in der Maschine gemahlen werden, entsteht Kaffeestaub, der sich im Inneren ablagert. Hinzu kommt der feuchte Trester, der in einer Schale gesammelt wird und damit einen idealen Nährboden für Schimmel bildet. Eine tägliche Leerung der Tresterschale, eine regelmäßige Reinigung der Brühgruppe sowie die Pflege des Milchsystems sind daher nahezu unumgänglich.

Kaffeegenuss: Klarer Punkt für den Siebträger

Beide Systeme liefern eine deutlich bessere Kaffeequalität als eine einfache Filtermaschine. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Zubereitung und in der Art der bevorzugten Getränke.

Beim Siebträger lassen sich Mahlgrad, Anpressdruck und Durchlaufzeit sehr fein einstellen. Dadurch kann der Geschmack gezielt beeinflusst werden, was vor allem bei Espresso und espresso-basierten Getränken einen spürbaren Unterschied macht. Kaffeevollautomaten arbeiten hingegen mit weitgehend festen Parametern. Das sorgt für sehr gleichbleibende Ergebnisse, lässt dem Nutzer jedoch weniger Spielraum für individuelle Feinabstimmungen.

Gerade bei Milchgetränken zeigt sich ein wichtiger Alltagsunterschied. Wer überwiegend Cappuccino, Latte Macchiato oder Milchkaffee trinkt, profitiert beim Kaffeevollautomaten von der schnellen und komfortablen Zubereitung auf Knopfdruck. Beim Siebträger erfordert jedes Milchgetränk das manuelle Aufschäumen der Milch, was mehr Zeit und Übung voraussetzt, geschmacklich jedoch mehr Einfluss auf Konsistenz und Temperatur der Milch ermöglicht.

Hinzu kommt ein oft genannter, subjektiver Faktor: das Erlebnis. Der Duft von frisch gemahlenem und gebrühtem Kaffee, das bewusste Beobachten des Espressobezugs und das Gefühl, den Kaffee selbst zu gestalten, machen den Siebträger für viele Kaffeeliebhaber zur ersten Wahl.

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Kostenfaktor: Vor allem kommt es auf Qualität an

Der Preis spielt für viele Käufer eine zentrale Rolle – ebenso wie der Platzbedarf in der Küche. Ein solider Kaffeevollautomat ist bereits ab etwa 700 Euro erhältlich und vereint Mühle, Brühgruppe und Milchsystem in einem kompakten Gerät. Dadurch benötigt er vergleichsweise wenig Stellfläche und wirkt in der Küche aufgeräumt und integriert.

Für eine hochwertige Siebträgermaschine inklusive Espressomühle, Tamper und weiterem Zubehör sollte man hingegen deutlich mehr investieren – häufig 1.500 bis 2.000 Euro oder mehr. Zusätzlich beansprucht dieses Setup mehr Platz auf der Arbeitsfläche, da Maschine und Mühle getrennt voneinander stehen und weiteres Zubehör griffbereit untergebracht werden muss.

Fazit: Kaffeevollautomat vs. Siebträger

Beide Systeme haben ihre klaren Stärken. Der Kaffeevollautomat richtet sich an Nutzer, die schnell und komfortabel guten Kaffee genießen möchten und bereit sind, regelmäßige Reinigungsroutinen in Kauf zu nehmen.

Der Siebträger hingegen spricht Genießer an, die Freude an der Zubereitung haben, sich bewusst Zeit für ihren Kaffee nehmen und Wert auf maximale geschmackliche Kontrolle legen. Hier wird Kaffee zu einem Erlebnis für alle Sinne – vom ersten Duft bis zum letzten Schluck.

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Tobias Hoffmannswald, geboren und aufgewachsen in Stuttgart, entdeckte seine Leidenschaft für Kaffee bereits in jungen Jahren. Verantwortlich dafür machte er den Duft frischen Kaffees, der stets in der Bäckerei seiner Eltern lag. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, zog es Tobias hinaus in die Welt. Seine Faszination für Kaffee führte ihn nach Mittelamerika, wo er sich in Honduras und später El Salvador den Kaffeeanbau ganz genau ansah. Zurück in Deutschland, entschied sich Tobias, seine Begeisterung für Kaffee zu professionalisieren. Er ließ sich zum Barista ausbilden. Mit frisch erworbenem Fachwissen und einer tiefen Wertschätzung für die Kunst des Kaffees suchte Tobias nach Möglichkeiten, seine Vision zu teilen und anderen die Welt des Kaffees näherzubringen. Über den ein oder anderen Umweg fand er diese Möglichkeit schließlich in Würzburg, wo er seit 2023 das Team von KaffeeTechnik Seubert mit seinem Baristaskills unterstützt.

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